Findlinge im Geologischen Lehrgarten
Teisendorf · Rupertiwinkel

Entstehung der Alpen

Die verschiedenartigen Gesteinsarten und ihre oft äußerst komplizierten Lagerungsverhältnisse im Gebirge sind seit mehr als 200 Jahren Forschungsgegenstand der Alpengeologen. Daher zählen die Alpen zu den am genauesten untersuchten Gebirgen unserer Erde. Deren Entstehungsgeschichte beginnt vor 250 Millionen Jahren, als alle Kontinente im Superkontinent Pangäa vereint waren.

Die Erdkruste im nordwestlichen flachmarinen Teil des Seitenmeeres Tethys wurde während 100 Millionen Jahren durchaufsteigende Wärmeströme aus dem Erdinneren auseinandergezerrt und gedehnt. In dieser Zeitspanne senkte sich dieser Meeresraum, aus dem die Gesteinsarten der Nördlichen Kalkalpen hervorgingen, stetig ab. Da Absenkungsrate und Ablagerungsrate etwa im Gleichgewicht waren, wurden Gesteinsmächtigkeiten von 3 bis 4000 Metern erreicht. Durch die Erweiterung dieses Schelfbereichs wanderten die Sedimentgesteine der Kalkalpen immer weiter nach Süden. Der nördlich liegende Schelfbereich wurde Ablagerungsraum der Helvetischen Gesteine. Im letzten Drittel der Dehnungsphase tiefte sich in der Jurazeit im Flachmeer zwischen Helvetischem Ablagerungsbereich und dem der kalkalpinen Gesteinsserien ein langgestreckter, west-ost ausgerichteter Ozean ein, der Penninische Ozean. Dessen Ozeanboden riss schließlich wegen der starken Zerrungskräfte in Richtung seiner Längsachse bis zum Erdmantel auf. Der Zerfall des Superkontinents Pangäa begann, da mit dem Auseinanderreißen ozeanische Kruste gebildet wurde und der eurasische Kontinent im Norden von der Urafrikanischen Kontinentplatte im Süden getrennt war. Der Ablagerungsraum der Nördlichen Kalkalpen lag nun am Nordrand Urafrikas.

Vor 120 Millionen Jahren setzte am Südrand des Penninischen Ozeans eine weitere südgerichtete Subduktion ein. Sie führte innerhalb von 70 Millionen Jahren einen Großteil der penninischen Gesteinsserien in den Erdmantel zurück. Dadurch rückte die Afrikanischen Platte stetig nach Norden und der Ozean wurde immer kleiner. Anteile der penninischen Sedimente wurden von Deckenstapeln der Nördlichen Kalkalpen überschoben und metamorph verändert. Vor den gegen das eurasische Festland vorrückenden mächtigen Gesteinsdecken nahm seit der Unterkreidezeit eine tiefe Sedimentationsrinne die Flyschgesteine auf. Bei der Kollision von eurasischer und afrikanischer Platte vor 40 Millionen Jahren wurde die europäische Platte unter die afrikanische geschoben. Gesteinsserien der Nördlichen Kalkalpen samt ihrem Untergrund überfuhren Helvetische Gesteinsablagerungen. Der Penninische Ozean war nun verschwunden. Vor 25 Millionen Jahren erfolgte die Aufwölbung und Heraushebung der Gesteinsserien der Tauern, mit der Folge, dass die darüber liegenden Gesteinsserien der Nördlichen Kalkalpen samt Unterlage (Gesteine der Grauwackenzone) verkippt und gefaltet wurden und in ihre heutige Position glitten. Die Einengungsbewegungen wurden langsamer, der Aufstieg der Alpen zum Hochgebirge begann vor 5 Millionen Jahren. Den anfallenden Verwitterungsschutt nahm das am Nordrand des Alpenkörpers entstehende langgestreckte Sedimentationsbecken, das Molassebecken, auf.