Findlinge im Geologischen Lehrgarten
Teisendorf · Rupertiwinkel

Eiszeitalter und Gletschereis

Kalt- und Warmzeiten in Bayern
Vergletscherungen des Alpenvorlandes
Schema einer gletschergeformten Landschaft

Im Lauf der Erdgeschichte gab es immer wieder Zeitabschnitte, in denen ansonsten eisfreie Gebiete für Millionen von Jahren unter Eisbedeckung lagen. Diese Eiszeitalter wurden durch eine anhaltende, global wirksame Abkühlung des Klimas ausgelöst. Bisher sind fünf Eiszeitalter nachgewiesen. Am besten untersucht ist das jüngste. Es begann vor 2,47 Millionen Jahren und endete vor 10.000 Jahren. In Europa beherrschte es neben Skandinavien und Teilen Englands auch den Alpenraum. Im letzten Eiszeitalter kam es in Mitteleuropa mehrfach zu Wechseln zwischen kälteren Klimaperioden (Kaltzeiten) und wärmeren Zeitabschnitten (Warmzeiten). In Bayern werden sieben Kaltzeiten unterschieden, von denen sechs nach Flüssen im Alpenvorland benannt sind. Gewaltige Gletscherströme flossen dann entlang der Flusstäler und über Pässe aus dem Gebirgsraum und sammelten sich zunächst am unmittelbaren Austritt aus dem Gebirge in Stammbecken zu gewaltigen Eisanhäufungen (um die 1000 Meter mächtig) an. Von dort schob sich das Gletschereis fingerförmig ausstrahlend weit ins Vorland und bedeckte es bei anhaltender Kaltzeit mit einem riesigen, bis zu 200 Metern dicken Eisfächer. Die Gletscher hatten bei ihrem Vordringen, vergleichbar riesigen natürlichen Förderbändern, enorme Mengen an Geröllen und Gesteinsschutt aus dem Gebirgsraum mit sich geführt und ins Vorland heraustransportiert. Darunter befanden sich auch bis zu hausgroße Gesteinsblöcke, die Findlinge. Zudem schürften die Eisströme bei weicheren Untergründen langgestreckte, rinnenförmige Eintiefungen aus, die Zungenbecken genannt werden. Während einer Warmzeit schmolz das Gletschereis allmählich ab, die Gletscher zogen sich von ihren weitesten Vorstößen Richtung Gebirge zurück und hinterließen eine grundlegend umgeformte Landschaft. Ein Teil des am Rand der Gletscherzungen mitgeführten Gesteinsmaterials blieb an Ort und Stelle liegen und baute um die Zungenbecken herum bogenförmig verlaufenden Geröllwälle (Endmoränen) auf. Anderer Gesteinsschutt wurde von Schmelzwässern weggeführt und als ausgedehnte Schotterflächen vor diesen Endmoränen abgelagert. Da das Rückschmelzen nicht kontinuierlich vor sich ging, sondern durch Zeitabschnitte mit Klimaabkühlung unterbrochen wurde, bildeten sich in diesen Haltephasen mehrere zwiebelschalenartig hintereinander geschaltete Moränenkränze. Teile der zurückschmelzenden Gletscherzungen zerfielen entlang ihrer Spalten und Klüfte in große, oft hunderte von Metern messende Eismassen. Diese Toteisblöckewurden durch Schmelzwässer eingeschottert und überdeckt. Nach dem Abschmelzen des Eises blieben rundliche Eintiefungen (Toteislöcher) im Bereich der Moränen über, die sich mit Wasser füllten und als kleine Seen anzutreffen sind. Ein Beispiel ist der Weidsee. Auch die Zungenbecken füllten sich mit Schmelzwässern und sind heute zum Teilals lang gestreckte Seen erhalten wie der Waginger und Tachinger See. Häufig sind sie aber auch trocken gefallen wie der ehemalige Tittmoninger See oder Teisendorfer See. Hinter den innersten Moränenwällen entstand eine sanftwellige oder kuppige Grundmoränenlandschaft, die an der Sohle des Gletschers gebildet wurde. Auf Grund der Verdichtung ihrer Gesteinsablagerungen ist der Boden wasserstauend und wird meist landwirtschaftlich genutzt.