Findlinge im Geologischen Lehrgarten
Teisendorf · Rupertiwinkel

Moore

Wo gibt es Moore?

Moore kommen überall dort auf der Erde vor, wo genügend Grundwasser und Oberflächenwässer (Flüsse, Seen), ausreichende Niederschlagsmengen und ein für den Wuchs von Moorpflanzen zuträgliches Klima (hohe Luftfeuchtigkeit, starke Temperaturunterschiede bodennaher Luft und gehäuft starker Nachtfrost in Frühjahr und Herbst) vorhanden sind. Bayern ist nach Niedersachsen das moorreichste Bundesland Westdeutschlands. Fast drei Prozent der Gesamtfläche Bayerns sind von Mooren bedeckt. Ungefähr ein Viertel davon entfällt auf das Alpenvorland. Dessen vielfältige Oberflächengestaltung ist den Vergletscherungsprozessen während der Würmkaltzeit und einer nacheiszeitlichen günstigen Niederschlagsmenge geschuldet. Zwei Beispiele für ausgedehnte Moorgebiete im Bereich des Salzachgletschers sind das Schönramer und das Ainringer Moos. Torfbildung unmittelbar unter der lebenden Pflanzendecke eines Moores befinden sich aufeinande rgestapelte, mehr oder minder mächtige Schichten von Torf. Bei Mooren, die hauptsächlich von Moosen bewachsen sind, beginnt die Torfneubildung unmittelbar unter der belebten Oberfläche, da Moose in gleichem Maße im unteren Bereich absterben, wie sie in ihrem oberen Teil nachwachsen. Torfe bestehen aus abgestorbenen, verschieden stark zersetzten Resten des Pflanzenbewuchses, wobei Zellulose und Lignin (Stützbaustoff verholzender Pflanzen) in Huminsäuren umgewandelt werden. Aus den organischen Materialien entstehen so stickstoffreiche Humusstoffe bräunlicher bis schwärzlicher Farbe. Sie zeigen höchst unterschiedliche Zersetzungsgrade der Pflanzenreste, da die Verrottung organischer Substanzen in Mooren verschieden stark gehemmt ist. Die Zersetzung organischen Materials wird in erster Linie von Mikroorganismen besorgt. In tieferen Torfschichten ist die Lebenskraft der zersetzenden Bakterien und Strahlenpilze und damit ihre Arbeitskraft gemindert wegen des geringen Sauerstoffanteils, des relativ hohen Säuregehalts infolge der Entstehung von Huminsäuren und des geringen für Mikroorganismen verfügbaren Stickstoffgehalts, da Stickstoff im wesentlichen in den Huminstoffen gebunden ist.

Moorarchäologie

Dieser Umstand führt oft zum weitgehenden Erhalt organischer Substanz in Mooren, wie die Mooreiche des Geoparks zeigt. Torfe geben immer wieder Zeugnisse aus der Frühzeit des Menschen frei. Damit stellen sie eine wertvolle Fundquelle vor allem für Gegenstände und Objekte dar, die unter anderen Aufbewahrungsbedingungen nur äußerst selten erhaltengeblieben wären. Dies gilt wegen der konservierenden Eigenschaften der Moore vor allem für organische Materialien. Eine exakte Zeitskala ist durch das Abzählen und Vergleichen der Jahresringe von Bäumen möglich, die für eine kurze Zeitspanne gleichzeitig lebten und daher für diese Zeit ein vergleichbares Wachstum der Jahresringe aufweisen (Dendrochronologie). Sie reicht bis etwa 7300 Jahre vor unserer Zeitrechnung zurück. Damit stellen Baumreste eine wertvolle "Uhr" für archäologische Gegenstände und Objekte dar, die mit ihnen zusammen in gleicher Fundlage im Moor erhalten blieben.

Torfnutzung

Torfe wurden nicht nur (vor allem in Notzeiten) zu Heizzwecken abgebaut. In der Volksmedizin spielen sie wegen ihrer keimtötenden, desinfizierenden und wundheilenden Wirkungen seit jeher eine wichtige Rolle. Für die Menschen der Eisenzeit stellten sie zudem bedeutende Eisenerz-Lagerstätten zur Verfügung, da sich in Mooren Ansammlungen von Raseneisenerz bilden können. In Bayern wurden durch Gebirgsbildungsprozesse Torfvorkommen zu abbauwürdigen Kohlelagerstätten (Murnau, Penzberg, Hausham) umgewandelt.

Moore als Schutzobjekt

Moore sind einzigartige, unersetzbare Lebensräume mit besonderen Vergesellschaftungen von Tier- und Pfanzenwelt. Sie bieten Zufluchtsstätten für seltene Pflanzen- und Tierarten der letzten Eiszeit sowie Rückzugsgebiete für "Kultur flüchter" wie Kraniche oder Birkhühner. Sie beeindrucken durch die Vielfalt und Eigenartigkeit ihrer Lebewelt und durch ihre bezaubernde Schönheit. Zudem sind sie unwiederbringbare Stätten der Erforschung ökologischer Zusammenhänge an hochspezialisierten Ökosystemen und der Moorarchäologie.

Mooreiche
Mooreiche