Findlinge im Geologischen Lehrgarten
Teisendorf · Rupertiwinkel

Sandstein vom Högl als Werkstoff

Naürliche Werkstoffe wie Holz oder Gesteine nutzen Menschen von jeher. Daher verwundert es nicht, dass schon vor 3000 Jahren Sandsteinplatten vom Högl für die Abdeckung eines Brandgrabes bei Ainring Verwendung fanden. Dabei war sicherlich hilfreich, dass Sandsteinvorkommen am Högl an vielen Stellen zu Tage treten und in Form unterschiedlich dicker Gesteinsbänke ausgebildet sind.

Aussehen, Beschaffenheit und Abfolge der Gesteinsserien des Högl geben Auskunft über ihre Entstehungsgeschichte: Der Högl gehört wie der Teisenberg zu einer sanftgeformten, meist bewaldeten Gesteinszone, die sich als Teil des Alpengebirges am Fuß der Nördlichen Kalkalpen vom Rhein bis nach Wien erstreckt. Sie wird nach einer Bezeichnung aus dem Simmental/Schweiz als Flyschzone bezeichnet. Ihre Gesteine gingen aus Meeresablagerungen hervor, die im Zuge der Entstehung der Alpen in einen langgestreckten Tiefseebereich abglitten. Im Laufe von 87 Millionen Jahren entstand so eine sich wiederholende Abfolge von feinstkörnigen Ton- und Mergelschichten, Kalksteinlagen und fein- bis grobkörnigen Sandsteinbänken.

In den zahlreichen Steinbrüchen am Högl wurden vor allem glimmerhaltige Mürbsandsteine und die wegen ihres quarzhaltigen Bindemittels besonders harten, bläulich anwittenden Sandsteinbänke abgebaut. Da in der Spätphase der Alpenentwicklung die Gesteinsschichten am Högl durchwegs schräg gestellt wurden, erfolgte der Abbau in den Steinbrüchen zunächst oberirdisch und dann gegebenenfalls auch unter Tage. Die verschiedenartigen Sandsteinvarietäten und Dicken der Gesteinsbänke ließen eine breite Verwendungspalette zu: Bruchsteine dienten in der näheren Umgebung zum Bau von Kirchen, Kapellen, Wohnhäusern und Ställen. Steinmetze schufen aus Högler Sandsteinen kunstvolle Türportale und Fenstereinfassungen. Gebrauchsgegenstände wie Sitzbänke, Wassertröge und Futterbarren ließen sich aus den Sandsteinen ebenso fertigen wie Bodenplatten und Treppenstufen. Im sakralen Bereich fanden sie Verwendung für Altäre, Wegekreuze und Grabsteine. Auch für spezielle Zwecke konnte der Högler Sandstein hergenommen werden. Schleifscheiben für Kugelühlen wurden im 18ten Jahrhundert in Anger und Feldkirchen zur Produktion von Steinkugeln als Ballast für Hochseeschiffe gebraucht. Und die Schleifsteine und Wetzsteine aus den Steinbüchen am Högl wurden auf Grund ihrer hohen Qualität bis nach München, Passau und Wien verhandelt. Im 20ten Jahrhunderts wurde mit Beginn des ersten Weltkriegs der letzte Steinbruch eingestellt. Der Abbau rentierte sich einfach nicht mehr.